Automatisierung bei AGRU: Der Kunststoffpionier bringt Langlebigkeit und Innovation zusammen

International führender Hersteller von High-End Kunststofflösungen aus Österreich setzt seit rund 25 Jahren auf Kawasaki Robotics: Von 31 automatisierten Anlagen bis hin zu neuen Ausbildungskonzepten mit dem Lehrroboter Astorino.

1948 aus einer Schlosserei in Bad Hall in Oberösterreich entstanden und gegründet, zählt AGRU heute zu den weltweit führenden Komplettanbietern für hochwertige und langlebige Kunststofflösungen wie Rohrleitungssysteme und Halbzeuge. AGRU beliefert nahezu alle Industriebranchen weltweit – von Wasser- und Gaswirtschaft über Halbleiter- und Pharmaindustrie bis hin zu Flugzeug- und Schiffsbau. Individuelle Kundenanforderungen stehen bis heute im Fokus. Das Familienunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern weltweit setzt auf maßgeschneiderte Lösungen für alle Branchen – und ist bekannt für Flexibilität und höchste Qualität. Automatisierung spielt dabei eine zentrale Rolle: Kawasaki Robotics ist seit rund 25 Jahren fester Bestandteil der AGRU Produktionsstätten.

Der Branchenpionier produziert heute in sechs Werkhallen in Bad Hall und ist mit Partnern auf allen Kontinenten weltweit vertreten. Während die Serienfertigung das Hauptstandbein ist und schnell automatisierbar ist, sind Einzelfertigungen nicht nur Aushängeschild des Unternehmens, sondern auch stets eine Herausforderung. Andreas Zemsauer, Production Manager E-Fittings bei AGRU, erläutert: „Kern unserer Unternehmensphilosophie ist es, Kundenbedürfnisse individuell zu bedienen. Unser neuestes Werk ist etwa komplett auf Sonderteile und Losgröße 1 ausgelegt. Eine zentrale Herausforderung der letzten Jahre und für die Zukunft ist für uns dabei immer: Wie automatisieren wir kleine Stückzahlen sinnvoll?“

Mitarbeiter, Produkte und Fertigung: Nachhaltigkeit und Langlebigkeit zählen

Kontinuität und Langlebigkeit sind für AGRU neben individuellen Kundenlösungen von zentraler Bedeutung. Die überdurchschnittlich langjährige Mitarbeiterzugehörigkeit spricht für sich: Viele Mitarbeiter sind seit mehr als 35 Jahren an Bord, sogar einige Familien arbeiten über mehrere Generationen hinweg im Betrieb. Auch Andreas Zemsauer selbst ist seit über 20 Jahren dabei, seit 2016 in leitender Funktion. „Ich habe meine Ausbildung Lehre mit Matura (KTLA) bei AGRU absolviert. Und bis heute steht AGRU für mich für Weitblick, starke Zusammenarbeit und einen Fokus auf bestmögliche Qualität.“

Die Mitarbeiter sind mit ihrer langjährigen Betriebszugehörigkeit nicht allein: Seit 2001 ist ein Kawasaki Robotics ZX300S in der Kunststoffproduktion ununterbrochen im Einsatz – mit inzwischen mehr als 117.000 Betriebsstunden. Ebenso seit 2001 kamen beständig weitere Anlagen für die Herstellung von E-Fittings hinzu, 67 Kawasaki Robotern sind aktuell im Einsatz. Der ZX300S war der erste von vielen: In den Werkshallen von AGRU kommen zahlreiche Generationen und Serien von Kawasaki Robotern zum Einsatz – darunter weitere Roboter der ZX Serie für schwere Traglasten sowie mehrere Roboter der FS Serie mit 50 und 80 kg Tragkraft. Auch die bewährte BX Serie für das Handling schwerer Werkstücke ist in vielen Anlagen verbaut und wird vom AGRU Team für ihre Unempfindlichkeit und Robustheit geschätzt.

Know-How und Support durch Kawasaki Robotics und More Robots

Seit 2023 arbeitet AGRU eng mit dem österreichischen Kawasaki Robotics Partner More Robots zusammen. „Das More Robots Team bringt mehr als 20 Jahre Robotics Know-How mit und unterstützt uns nicht nur bei der Planung, sondern auch mit schnellem und zuverlässigem technischem Support. Gemeinsam machen wir seit zwei Jahren große Schritte in unserer laufenden Automatisierung“, so Zemsauer. Die Automatisierung einiger Prozesse erfordert präzise Planung und zahlreiche Tests. Der Zeitfaktor war bisher durch den Spritzgussprozess begrenzt, da dickwandige Teile gefertigt werden, die lange Auskühlzeiten erfordern. Durch neue Lösungsansätze im Spritzguss steigen nun die Anforderungen an die Automatisierung. Dank neuer technischer Entwicklungen wird auch die Automatisierungszelle immer schneller. Dadurch lässt sich der Output kontinuierlich steigern.

Auch werden massive Komponenten gefertigt, etwa große Formteile welche einen Bearbeitungsraum von 5 x 6 Meter erfordern – hier kommt unter anderem der Schwerlastroboter MX500L zum Einsatz. Die Balance zwischen Geschwindigkeit, Zykluszeit und Stabilität steht für Andreas Zemsauer und sein Team dabei immer im Fokus, das richtige Fachwissen ist entscheidend um Lösungen zu entwickeln. Alexander Müller, Geschäftsführer von More Robots, unterstützt AGRU persönlich: „AGRU setzt seit 70 Jahren erfolgreich auf das Know-How und die Erfahrung seiner Mitarbeiter. Die Expertise von Kawasaki Robotics und More Robots hat sich besonders bei fordernden Automatisierungsprojekten als optimale Ergänzung erwiesen. Unsere räumliche Nähe und unser lokaler Support helfen dabei natürlich sehr und erlauben uns, schnell und flexibel vor Ort zu unterstützen.“

Effektive Vermeidung von Ausfallzeiten durch Wartung

Langlebigkeit und Nachhaltigkeit sind für AGRU nicht nur die höchsten Ziele für die Produkte, sondern auch in der Produktion selbst. Viele Roboter sind teils schon seit Jahrzehnten im Einsatz und gehören zu den älteren C und D Controller Generationen von Kawasaki Robotics, aber für Herrn Zemsauer und sein Team zählt, dass die bestehenden Anlagen so lange laufen wie möglich. Bei bis zu 24 Jahre alten Industrierobotern ist dabei natürlich die Ersatzteilverfügbarkeit ein entscheidender Faktor: Mit Unterstützung von More Robots und Kawasaki Robotics EMEA hat AGRU pro Anlage präzise entschieden, welche Ersatzteile angeschafft werden sollen, und hat diese entsprechend selbst lokal vorgelagert.

Mit Erfolg: In 24 Jahren kam es zu keinen nennenswerten Ausfallzeiten. Um dies kontinuierlich zu gewährleisten, setzt AGRU auf das Predictive Maintenance Konzept von Kawasaki Robotics und jährliche Wartungen aller Roboter in zyklischen Intervallen – 35 Roboter werden pro Jahr gewartet. „Auch wenn es bei Kawasaki beeindruckende Weiterentwicklungen bei neueren Modellen gibt: Unsere Roboter sollen so lange laufen wie es geht. Dank dem Support von More Robots und Kawasaki können wir das auch künftig immer gewährleisten“, so Andreas Zemsauer. Mehrere AGRU Mitarbeiter haben zudem umfassende Kurse für Programmierung und auch Instandhaltung in der Kawasaki Robotics Academy in Neuss absolviert.

High-End-Lösungen für internationale Kunden

Der internationale Export macht heute rund 95 Prozent des AGRU-Gesamtumsatzes aus, viele Kunden stammen aus der Infrastrukturbranche, unter anderem für Trinkwassersysteme. Während die meisten Kundenprojekte in Asien im Aufbau liegen, kommen AGRU-Produkte in Europa und Nordamerika primär in Sanierung und Instandhaltung zum Einsatz – in den USA werden etwa seit Jahren viele alte Stahlbetonkonstruktionen, die zu Erosion neigen, durch langlebige und für Trinkwasser optimierte Kunststoffsysteme von AGRU ersetzt. AGRU arbeitet bei diesen Projekten oft eng mit dem österreichischen Kunststoffproduzenten Borealis zusammen. „Wir beobachten international schon lange den Trend zu nachhaltig haltbaren Lösungen anstelle von Wegwerfprodukten. Unsere hohen Qualitätsstandards und Customized Parts für alle Bedürfnisse sind weltweit ein wichtiger Wettbewerbsvorteil“, sagt Andreas Zemsauer.

Mit PURAD hat AGRU zudem ein spezielles, chemisch besonders beständiges Rohrsystem für die Halbleiter- und Pharmaindustrie entwickelt, in denen höchste Hygienestandards gelten. AGRU beliefert primär Unternehmen in Asien, entsprechenden Lösungen. Ein eigener Reinraum im Werk 6 ermöglicht die kontinuierliche Weiterentwicklung der Kunststoffsysteme für zahlreiche internationale Chip- und Pharmaproduzenten. 

Trotz optimaler Raumnutzung, dem Bau neuer Werke und Erweiterungsoptionen ist der verfügbare Platz für Anlagen auch bei AGRU begrenzt. Entsprechend sind präzise Planung und oftmals auch viele Kompromisse notwendig. Bis heute bringen Kawasaki Roboter in dieser Hinsicht einen wichtigen Mehrwert, erklärt Andreas Zemsauer: „Unsere Werke stoßen räumlich immer wieder an ihre Grenzen. Schon 2001 war der kleine Fußabdruck und der damit geringe Platzbedarf der Kawasaki Roboter für uns ein großer Vorteil. Die neueren Kawasaki Modelle machen dies sogar noch besser und nehmen wenig Fläche ein. Das gibt uns in Kombination mit den flexiblen Arbeitsbereichen der Roboter immer wieder deutlich mehr Spielraum. Genau wie die Roboter selbst reizen wir unseren Werksraum maximal aus.“

Innovatives Ausbildungskonzept: Astorino

Kawasaki Roboter haben inzwischen auch in der Ausbildung Einzug gehalten: Seit 2015 hat der Ausbildungsbetrieb AGRU auf 860 m2 eine eigene Lehrwerkstätte, in der Auszubildende praxisnah arbeiten – jedes Jahr werden aus vielen Bewerbungen zehn neue Auszubildende ausgesucht. Im September 2025 kam der Kawasaki Trainingsroboter Astorino erstmalig dazu. Der speziell für Lehre konzipierte Roboter besteht aus 3D-gedruckten Komponenten und ermöglicht es, Roboterprogrammierung intuitiv und authentisch zu lernen. Für das Team der Lehrwerkstätte sind die Ziele klar: „Wie kürzen wir Anlernphasen ab und steigern gleichzeitig die Lernkurve? Und wie lösen wir Berührungsängste für Auszubildende und Mitarbeiter? Astorino erfüllt genau diese Ziele und begeistert die Auszubildenden“, so Herr Michael Binder, Leiter der Lehrwerkstätte.

Die Lehrwerkstätte ist kein isolierter Bereich: Die Auszubildenden arbeiten an echten Projekten, erklärt Herr Binder: „Der Astorino passt perfekt zum Konzept: Die Auszubildenden können das Teach Pendant in die Hand nehmen und echtes Programmieren lernen – der Schritt zum Industrieroboter ist dann kein großer mehr.“ Das einmalige Konzept stieß bereits in kürzester Zeit auf sehr positives Feedback auf Messen und bei neuen Auszubildenden: 2025 ging eine Rekordzahl an Bewerbungen ein – trotz hoher Konkurrenz bei der Gewinnung neuer Auszubildender und Mitarbeiter.

Das regionale Familienunternehmen pflegt seinen guten Ruf als Arbeitgeber und Ausbilder gezielt. So ist die Geschäftsführung bei Lehrlingspreisen und ähnlichen Anlässen immer persönlich präsent und unterstützt frische und innovative Ansätze in Aus- und Weiterbildung, um demographischen Wandel und Fachkräftemangel entgegenzuwirken. So lieferte zuletzt ein Studentenprojekt zur automatischen und KI-gestützten Oberflächenanalyse von gefertigten Komponenten eine erste Basis, um entsprechende Vision- und Inspektionssysteme langfristig zu etablieren – und somit höchste Qualität zu wahren und gleichzeitig den Zeitaufwand zu reduzieren.

Fazit und Ausblick

Die Automatisierung mit Kawasaki Robotics hat sich für AGRU gelohnt: „Wir haben unsere Effizienz massiv gesteigert und gleichzeitig unseren Output sowie die Qualität der Teile signifikant erhöht.“ Während die Serienproduktion fest etabliert ist, stellt die effiziente Produktion von kleinen Losgrößen das AGRU-Team immer wieder vor Herausforderungen – denen es sich mit viel Know-How und cleveren Lösungen sowie Unterstützung von Kawasaki Robotics und More Robots stellt. Der interne Wissenstransfer ist dabei fester Bestandteil der AGRU-Arbeitskultur, so wird kontinuierlich auf erfolgreichen Lösungen und verbesserten Prozessen aufgebaut. Automatisierung bleibt dabei ein wichtiger Faktor: Die neusten Roboter in der Produktion sind vier BX210L, weitere BX300L sind bereits in Planung – wie auch die aktuell bereits eingesetzten Kawasaki Roboter für lange und zuverlässige Laufzeiten.